Das Ringreiten ist eine der schönsten und farbenfrohsten Traditionen von Walcheren. Jeden Sommer verwandelt sich ein Dorf nach dem anderen in einen Schauplatz, auf dem Reiter auf prächtig geschmückten Pferden versuchen, im vollen Galopp einen kleinen Ring auf ihre Lanze zu spießen. Ein spannendes Spiel für Jung und Alt, mit jahrhundertelanger Geschichte und ausgelassener Dorfstimmung.
Was ist Ringreiten?
Das Spiel in Kürze: ein Reiter reitet auf einem galoppierenden Pferd über eine kurze Bahn und versucht, mit einer Lanze, einer Art hölzernem Speer mit eiserner Spitze, einen kleinen Ring aus einer Halterung zu stechen.
Die stolzen Pferde: dafür verwendet man prächtig gepflegte Zugpferde, meist echte 'Belgier'. Die Mähne wird für den Anlass eingeflochten und das kupierte Schwänzchen mit bunten Schleifen und einem grünen Zweig geschmückt.
Stimmung vom Feinsten: Dorfbewohner und Touristen drängen sich an den Absperrungen, um das Schauspiel aus nächster Nähe zu verfolgen, oft mit einem Getränk in der Hand und Musik im Hintergrund.
Eine verwandte Tradition: neben dem klassischen Ringreiten gibt es auch das Sjezenrijden, bei dem der Ring von einem zweirädrigen Wagen aus gestochen wird. Der Kutscher lenkt das Pferd und der Ringstecher sticht den Ring, beide in traditioneller Walcherer Tracht gekleidet.
Anerkanntes Erbe: seit 2025 sind sowohl das Ring- als auch das Sjezenrijden in die Inventaris Immaterieel Erfgoed Nederland aufgenommen, als lebendige zeeländische Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Eine jahrhundertealte Tradition auf Walcheren
Wurzeln in der Ritterzeit: das Ringreiten gilt als Überbleibsel mittelalterlicher Ritterturniere und Stechspiele. Wo die Edelleute einst versuchten, einander vom Pferd zu stechen, während das Volk zusah, zielt man heute auf einen harmlosen Ring.
Jahrhundertelanges Volksvergnügen: bereits im 17. Jahrhundert wurde in den Dörfern von Walcheren und Zuid-Beveland Ring geritten, gefeiert und getrunken. Die ältesten schriftlichen Quellen stammen aus jener Zeit, auch wenn der Ursprung vermutlich noch weiter zurückreicht.
Trotz Widerstand fortbestanden: die Kirche sah das ausgelassene Feiern mit Missfallen und versuchte, das Spiel zu verbieten. Dennoch blieb die Tradition bestehen, nicht zuletzt dank der Unterstützung lokaler Honoratioren und des herzlichen Interesses des Königshauses, das ab dem 18. Jahrhundert Preise stiftete, die bis heute verliehen werden.
Vom Bauernsport zum Verein: lange Zeit war es vor allem die bäuerliche Bevölkerung, die den Sport am Leben hielt. Auch heute, da die Feldarbeit von Traktoren erledigt wird, halten viele Familien ihre kräftigen belgischen Pferde gerne für diesen Tag.
Quicklebendig: seit der Gründung des Zeeuwse Ringrijders Vereniging im Jahr 1950 hat sich das Ringreiten zu einem gut organisierten Sport entwickelt, getragen von Dutzenden Dorfvereinen und Freiwilligen. 2025 feierte der Verein sein 75-jähriges Bestehen.
So funktioniert das Spiel
Die Bahn: nach den Spielregeln ist die Bahn 36 Meter lang, abgesteckt mit Pfählen, die unten 1 Meter und oben 1,65 Meter auseinanderstehen und beiderseits mit Seilen verbunden sind.
Der Ring und die Halterung: auf halber Strecke hängt unter einem Tor auf 2,20 Meter Höhe eine verschiebbare Halterung. Darin steckt mit einer Feder ein Ring von nur 38 Millimetern Durchmesser. Der Teilnehmer bestimmt selbst, wo die Halterung angebracht wird, je nachdem, ob er Links- oder Rechtshänder ist.
Die Ausführung: es gilt, den Ring mit der Lanze aus der Halterung zu heben, während das Pferd galoppiert. Wird der Ring zwar gestochen, geht aber vor dem Ende der Bahn wieder verloren, so zählt er als Fehlversuch.
Zusätzliche Chancen: fällt das Pferd aus dem Galopp in den Trab, darf der Reiter erneut anreiten, sofern er die Lanze rechtzeitig zurückgehalten hat. Gelingt es dann wieder nicht, ist der nächste Teilnehmer an der Reihe.
Der Sieger: wer über den ganzen Tag die meisten Ringe sticht, gewinnt das Turnier.
Selbst einmal zuschauen?
Ringreiten ist ein echtes Sommerspektakel, das Sie kostenlos aus nächster Nähe erleben können, irgendwann zwischen dem späten Frühjahr und dem Ende des Sommers, verteilt über die Dörfer von Walcheren. Jedes Dorf hat seinen eigenen Wettkampftag, sodass Sie mit etwas Planung im Urlaub gleich mehrere hintereinander besuchen können. Die Spieltermine je Dorf: